Unkritische Einnahme von Schmerzmitteln

Oft schlucken Patienten Schmerzmittel, obwohl sie mehr Nebenwirkungen als Nutzen verspüren. Der überbordende Gebrauch von Schmerzmedikamenten ist ungezielt, unnötig, schädlich und natürlich auch sehr teuer.

Weg mit den „Medikamentencocktails“

Weniger ist häufig besser. Das gilt auch für Medikamente. Nicht selten sehen wir Patienten mit einer langen Medikamentenliste. Mit der Einnahme von mehr als sechs verschiedenen Medikamenten steigt aber das Risiko von Wechsel- und Nebenwirkungen exponentiell an. Die falsche Kombination von Medikament führt zu einer ungenügenden Wirkung und gleichzeitig Potenzierung (Verstärkung) von Nebenwirkungen.

Die gängigsten Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika) werden von Patienten oft sorglos eingenommen. Dabei sind  ihre Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen:

  • Veränderung der Magenschleimhaut mit Bildung von Magengeschwüren und potentiell lebensgefährlichen Magenblutungen
  • der langfristige Gebrauch kann Nierenschäden verursachen
  • Analgetika induzierte Kopfschmerzen (bei übermässigem Gebrauch von Schmerzmittel)

 

Nicht-steroidale Antirheumatika

Die Verwendung dieser Medikamentengruppe erfordert den Einsatz von Magenschutz-Präparaten (Protonenpumpenhemmer). Dieser Magenschutz wiederum blockiert die antibakterielle Schutzfunktion der Magenschleimhaut, was zu Infektionen mit dem Clostridium difficile Beakterium führen kann. Mit anderen Worten: ein Schmerzmedikament löst ein Problem, durch die hervorgerufenen Nebenwirkungen ergeben sich aber im ungünstigsten Fall gleich mehrere, andere Probleme.

Opiate

Starke Schmermittel der Opiatgruppe haben wohl eine hervorragende  Organverträglichkeit, können aber besonders bei Therapiebeginn vielfältige, unerwünschte Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel, Konzentrations-schwächen, Stuhlgangstörungen verursachen.

Psychopharmaka

Besonders bei Nervenschmerzen werden Opiaten gerne mit Präparaten wie Psychopharmaka oder Antiepileptika kombiniert. Diese potente Kombination führt oft zur zusätzlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Der Einsatz von Schmerzmittel soll aber nicht verteufelt werden. Richtig und vor allem kritisch eingesetzt sind sie eine wertvolle Basis zur Schmerzbekämpfung. Insbesondere bei fortgeschrittenen, degenerativen Veränderungen und in Situationen, in denen auch gezielte, minimalinvasive Behandlungsverfahren nicht weiterhelfen, haben die Schmerzmedikamente eine besondere Berechtigung. Oft kann aber die Schmerzmitteleinnahme dank ergänzender, gezielter Infiltrationen drastisch reduziert werden.