Rückenoperationen – nur selten indiziert

Im Bereich des muskuloskelettalen Systems gibt es nur sehr wenige Indikationen für eine dringliche Operation. Meistens bleibt ausreichend Zeit für eine gründliche Abklärung z.B. von Rückenbeschwerden.

Trotzdem wird zu oft und zu schnell zum Skalpell gegriffen. Diese Tatsache wiederspiegelt sich in  der stark wachsenden „Wirbelsäulenindustrie“. Grundlage hierfür ist der unerschütterliche Glaube an die unkritische Interpretation von MRI-Befunden.

Vor der Entscheidung zu einer Operation müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:

Ist die in der Bildgebung (z.B. MRI) dargestellte Veränderung wirklich für die Schmerzen verantwortlich. Mit anderen Worten, stimmt die Diagnose? (vgl. Artikel: Patienten behandeln statt Bilder)
Haben noch andere Faktoren einen wichtigen Einfluss auf die Schmerzen?
Sind alternative Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft worden?
Wie gross sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Operation?
Sind die Schmerzen so intensiv und die Lebensqualität derart beeinträchtig, dass eine Operation mit ungewissem Ausgang gerechtfertigt ist?
Welchen Beitrag kann ich selber leisten, um die Beschwerden positiv zu beeinflussen und erträglicher zu machen?

Erfolgsraten von Rückenoperationen

Auch bei korrekter Indikationsstellung und perfekt durchgeführter Operation bleibt das Risiko unveränderter oder gar stärkerer Schmerzen. Die Erfolgsrate einer ersten Rückenoperation wird mit über 50% angegeben.

Die Wahrscheinlichkeit unveränderter oder gar stärkerer Rückenschmerzen wird in der Literatur mit 10-40% angegeben. Mit jeder weiteren Operation nehmen die Erfolgsaussichten ab beziehungsweise Komplikationsrate zu. Nach der zweiten Operation liegt die Erfolgsrate bei 30%, nach der dritten bei 15% und nach dem vierten Eingriff bei mageren 5%.

Im Vergleich zu Operationen an Gelenken (ca. 90% Erfolg bei zB. Hüft- oder Knieprothesen) ist die Erfolgsrate von operativen Eingriffen an der Wirbelsäule (besonders Versteifungsoperationen) bedeutend schlechter. Die Konsequenzen eines Misserfolges sind unter Umständen gravierend und kostentreibend.

Anhaltende Schmerzen nach Rückenoperationen

Die Gründe für anhaltende oder gar zunehmende Schmerzen nach einer Rückenoperation sind vielfältig. Ein wichtiger Grund hierfür sind unter anderem teilweise ausgedehnte Narbenbildungen und damit Verwachsungen. Im Gegensatz zu minimalinvasiven Verfahren sind die negativen Folgen einer Operation irreversibel.

Operationen an der Wirbelsäule – ja, aber…

Bei gewissen Wirbelsäulenveränderungen kann ein operatives Vorgehen durchaus sinnvoll oder sogar die einzige Lösung sein. Unter Beachtung unterschiedlichster Faktoren muss die Indikation aber sorgfältig erarbeitet und mit dem Patienten ausführlich besprochen werden.