Schmerz — ein komplexes Phänomen

Der Schmerz ist das Resultat hochkomplizierter Vorgänge auf mehreren Stufen des Nervensystems. Er kann mehrere Ursachen haben und umgekehrt kann eine Ursache unterschiedliche Schmerzempfindungen auslösen. Die Auswirkungen sind individuell sehr unterschiedlich.

Entsprechend sind das Erkennen wie auch die Behandlung der verschiedenen ineinandergreifenden Schmerzfaktoren eine therapeutische Herausforderung, die spezialisiertes Wissen und langjährige Erfahrung voraussetzen.

Schmerzmedizin ist ein Spezialgebiet wie z.B. Kardiologie, Dermatologie oder Gastroenterologie. Entsprechend gehört das Problem komplexer Schmerzzustände auch in die Hände eines Fachspezialisten mit der erforderlichen schmerztherapeutischen Ausbildung und einem fachübergreifenden Denken.

 

Schmerzkreis nach Loeser et. al.

 

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Das Phänomen Schmerz
Der Schmerz ist ein komplexes und vielschichtiges Phänomen, welches aus verschiedenen, sich gegenseitig beeinflussenden Komponenten besteht.

 

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Erfassung schädlicher Reize
Gewebsschädigungen (Verletzungen, Entzündungen, Organstörungen, etc.) lösen im Körper elektrische und chemische Signale aus. Diese Impulse werden über spezielle Nervenfasern zum Rückenmark und von dort in das Gehirn geleitet. Schmerzreize führen zur Ausschüttung von körpereigenen Substanzen (chemische Stoffe oder sog. Mediatoren), welche eine lokale Veränderung (Entzündung, erhöhte Durchlässigkeit von Blutgefässen, etc.) bewirken und dadurch Schmerzen auslösen und die Schmerzempfindlichkeit erhöhen.

 

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Schmerz
Schmerzen als unangenehme Sinneswahrnehmung entstehen nur, wenn die «Schmerznachrichten» aus dem geschädigten Gewebe das Gehirn auch erreichen. Schmerzempfindungen beinhalten Eigenschaften wie Lokalisation, Intensität, Schmerzqualität. Sie lösen motorische und vegetative (unwillkürliche) Reaktionen aus.

 

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Leiden
Langanhaltende Schmerzen führen zu einem Leidenszustand, welcher als negative Reaktion des Gehirns auf Schmerzen, Furcht, innere Spannung oder Depression verstanden werden kann. Ein Leidenszustand wird ausgelöst durch anhaltende Bedrohung oder Gefahr für das physische und/oder psychische Wohl des Menschen. Das Leiden ist also die Folge einer subjektiven Bewertung und Interpretation eines negativen Erlebnisses.

 

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Schmerzverhalten
Am Ende der komplexen Schmerzkette steht das individuelle Schmerzverhalten, welches sich durch Körpersprache, tägliche Aktivitäten, Medikamenteneinnahme bis hin zu Rentenbegehren manifestiert. Mit dem Schmerzverhalten wird der erlebte Schmerz der Aussenwelt individuell mitgeteilt. Solche Verhaltensformen werden durch das individuelle Leiden generiert sowie durch das Persönlichkeitsprofil des Patienten mitbestimmt. Das Schmerzverhalten wird auch entscheidend durch äussere Umstände – soziales Umfeld, Kultur – beeinflusst. Bei der Beurteilung und Behandlung chronischer Schmerzzustände ist das individuelle Schmerzverhalten unbedingt zu berücksichtigen.