Die Suche nach der Schmerzursache wird immer noch unterschätzt

Heikle Opiate: vom Schmerz zur Abhängigkeit


3. März 2021In Der Schmerz, StandpunkteBy Christopher Zurschmiede2 Minutes

In der Sendung SRF Puls «Heikle Opiate: vom Schmerz zur Abhängigkeit» von 01.02.2021 hat es bewiesen. Die Suche nach der Schmerzursache wird weiterhin unterschätzt, ja gar infrage gestellt.

Die beiden Studiogäste vertreten die althergebrachte Meinung, dass die Schmerzursachen von beispielsweise Rückenbeschwerden in 90% der Fälle unklar bleiben. Die Mehrheit chronischer Schmerzen sind «psychosomatisch» bedingt und müssen primär durch Gesprächs- und Verhaltenstherapien angegangen werden.

SRF PULS Sendung vom 1. Februar 2021.

Diese Einschätzung wird aber den wenigsten Schmerzpatienten gerecht und verdeutlicht die erheblichen Qualitätsdefizite in der Schmerztherapie. In einer europäischen Studie klagen 40% der Schmerzpatienten über eine unzureichende Schmerzbetreuung und 64% geben an, trotz regelmässiger Einnahme diverser Schmerzmittel unter teils starken Schmerzen zu leiden.

Der Hauptgrund für die nach wie vor mangelhafte Abklärung von z.B. Rückenschmerzen liegt in der Tatsache, dass Untersuchungen wie Labor, Röntgen, CT oder MRI selten eideutige Hinweis für die eigentliche Schmerzursache ergeben. Für die Diagnosestellung sind diese Untersuchungen in den meisten Fällen von limitiertem Wert. Ist die Schmerzursache unklar, werden die Rückenschmerzen fälschlicherweise als «unspezifisch» bezeichnet und der Grund oft in der Psyche geortet. Die Folge dieser unspezifischen Untersuchungen sind unspezifische Behandlungen und ein Arsenal an Schmerzmittel und Psychopharmaka.

Mit einem gezielten, problemorientierten Einsatz diagnostischer Mittel lässt sich die Anzahl unspezifischer Rückenschmerzen von 90% auf ca. 20–30% reduzieren, d.h. dass sich in 60%–70% der Fälle eine Ursache finden und unter Umständen auch behandeln lässt.

Grundlage für Diagnosestellung und erfolgreiche Therapie sind: Detailliertes Patientengespräch, körperliche Untersuchung sowie gezielte Infiltrationen zur Identifikation potenzieller schmerzhafter Strukturen, natürlich stets unter Berücksichtigung der komplexen Zusammenhänge von Körper und Psyche.